Samstag, 9. februar 2008
Montag:

Um 6 Uhr werde ich durch ein erst leises, dann immer penetranter werdendes Piepsen meines Weckers aus meinem Bett gescheucht. Nachdem ich dann nach 5 Minuten noch verträumter Realität realisiere, dass das Wochenende längst vorbei ist und ich mich schleunigst unter die Dusche bewegen sollte, rückt der stressige Schulalltag immer näher.

Nach dem Frühstück, dass bei mir traditionell aus einem je nach Lust und Laune bestrichenen Toast und einem Glas Milch besteht, werden dann noch schleunigst alle für die Schule relevanten Sachen eingepackt - also Sodoku und co - und dann mache ich mich auch schon auf den Weg zur Bushaltestelle.

Voller Vorfreude, die nächsten 20 Minuten im Bus ein gemütliches Nickerchen zu halten, warte ich auf den Schulbus. Der Gedanke an die gemütliche Busfahrt erinnert mich irgendwie an die sogenannte "Ruhe vor der Sturm". "So müssen sich also Seefahrer fühlen.", denke ich mir noch ganz in Gedanken an mein Bett...

Schön wär's! Wenn die Schule der Sturm ist, haben wir es jetzt mit einem Tornado zu tun. Der erste Gedanke, der einem durch den Kopf schießt, wenn der Bus nach der Vollbremsung endlich zum Stehen kommt, ist ganz klar der einer japanischen U-Bahn.

Plattgedrückte Gesichter junger Schüler drücken sich an den durch Schweiß angelaufenen Scheiben ab, gedämpftes Geschrei von Kindern, die Angst haben, erdrückt zu werden, wird nach dem Öffnen der Türen unerträglich laut und ein Geruch, der an ein Gemisch aus Gummibärchen und Galle erinnert,  steigt in meine Nase. Der Bus ist mal wieder völlig überfüllt.

Angetrieben durch meinen ungebändigten Wissenshunger wage ich schließlich den Gang in die Höhle des Löwen. Alles erinnert mich hier an das Spiel Tetris: Die Schüler sind die Bausteine und der Busfahrer der Gameboy Spieler. Die Aufgabe besteht für ihn daraus, möglichst viele Kinder in möglichst kurzer Zeit platzsparend und skrupellos im Bus unterzubringen. Die durch Luftdruck gesteuerten Türen kennen keine Gnade. Wer nicht reingekommen ist, muss draußen bleiben und die Leute, die an der Türschwelle stehen haben 3 Möglichkeiten:

1. Sie versuchen die unglaublichen Menschenmassen vor ihnen weiter zu schieben, um noch einen Platz im Bus zu ergattern.

2. Sie gehen wieder nach Hause und bekommen Ärger von der Mutter, die ihnen die Geschichte nicht abnimmt.

3. Sie entscheiden sich zu spät und werden gewaltätig von der Tür eingeklemmt.

Irgendwo in den fluchenden Menschenmassen findet sich dann auch noch die ein oder andere Oma wieder, die aus Versehen in den falschen Bus eingestiegen ist. Einen Vorteil hat die Sache für sie aber, denn nach dieser Busfahrt wird sie keine Angst mehr vor dem Tod haben.

Doch auch die Schüler wissen nach so einer Busfahrt die Schulbank wieder zu schätzen, deshalb wartet man voller Vorfreude auf das Ende dieses Höllentrips.

Endlich angekommen, danke ich Gott, heil angekommen zu sein. Bis auf meine Nerven gab es keine wirklich größeren Verluste. Erleichtert trete ich den restlichen Fußweg zu meiner Schule an, doch mit der Angst im Nacken, was mich wohl morgen in dieser Irrenkutsche erwartet...

Ich möchte hiermit allen Schulbusfahrern dieser Welt danken, dass sie uns täglich immer wieder klarmachen, wie entspannt 6 Stunden Schule im Gegensatz zu einer 20 minütigen Busfahrt sein können. So macht Lernen nämlich gleich doppelt Spaß ;-)

In diesem Sinne,

T. Augenichts

von T. Augenichts
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